Christian aus dem Kongo

Mein Name ist Christian, ich bin 32 Jahre alt und lebe seit 10 Jahren in Zug. Ich bin verheiratet und habe 2 kleine Kinder.

Aufgewachsen bin in Kinshasa mit 4 Brüdern und 3 Schwestern. Ich bin das vierte Kind. Meine Familie hat auf einem grossen Hof gelebt, zusammen mit anderen Verwandten. Es hatte sehr viele Kinder und immer jemanden zum Spielen. Das war sehr schön! Am liebsten habe ich mit den anderen Knaben Fussball gespielt. Wir haben selten etwas mit den Schwestern und Cousinen gemacht. Seilspringen und andere Mädchenspiele waren langweilig für uns. Im Haushalt musste ich nicht viel helfen – nur manchmal Wasser tragen. Der Haushalt war Sache von Mutter und Schwestern.

Mein Vater musste immer Arbeit suchen. Er ging jeden Morgen früh aus dem Haus und am Abend kam er müde zurück. Manchmal fand er nichts. Meine Mutter hat vor dem Haus Reis oder auf dem Markt Gemüse und Früchte verkauft, damit wir genug Geld hatten, um Essen zu kaufen. Wenn sie auf dem Markt war, passten meine Tanten oder die älteren Schwestern auf uns auf.

Wir haben viel in der Familie gelacht, aber auch gestritten: meine Eltern über Geld und Arbeit, wir Kinder wegen 1000 Dingen. Natürlich haben wir einander auch geholfen, wenn es wichtig war. Ich hatte einen Lieblingsonkel, der mir viele Dinge erklärt hat, zum Beispiel, wie ein Generator funktioniert. Ich war sein Liebling, und einmal hat er mich an ein wichtiges Fussballspiel mitgenommen. Das vergesse ich nie!

Meine Brüder und ich sind 6 Jahre in die Primarschule gegangen. Meine Mutter hat das Schulgeld für uns bezahlt. Sie hat dafür heimlich gespart. Die Mädchen durften nicht zur Schule gehen. Aber sie haben sich nicht beklagt. Ich war kein fleissiger Schüler. Oft machte ich die Hausaufgaben nicht – ich wollte lieber Fussball spielen. Dann hat mich der Lehrer geschlagen. Für die Oberstufe hat das Geld nicht gereicht. Mir war es recht, die Schule zu verlassen. Ich habe dann auf dem Bau gearbeitet und mich später politisch engagiert.

Im Kongo habe ich viele Unruhen miterlebt. Das Militär hat seine Soldaten nicht bezahlt, deshalb haben sie die Geschäfte geplündert. Wir haben immer wieder Schiessereien gesehen und gehört. Das machte uns grosse Angst. Die ganze Familie blieb dann zu Hause und ging erst wieder nach draussen, wenn es wieder ruhig war. Das war schwierig, denn wir konnten dann kein Geld fürs Essen verdienen.

Ich habe immer mehr Probleme mit dem Regime bekommen. Mit 22 Jahren bin ich in die Schweiz gekommen und habe politisches Asyl erhalten. Ich war bereits verheiratet im Kongo. Es hat aber 5 Jahre gedauert, bis meine Situation stabil genug war, um meine Frau nachzuholen. Jetzt haben wir 2 kleine Knaben.

Meine Söhne sollen hier in Sicherheit aufwachsen. Ich möchte, dass sie gute Schulen besuchen und wenn sie gross sind etwas lernen, das ihnen Spass macht. Ich möchte aber auch, dass sie wissen, was zu einer Familie gehört: Verpflichtungen, Zusammenhalt und Sicherheit.


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