Julienne aus dem Kongo

Julienne ist mein Name, ich bin 36 Jahre alt und lebe seit 15 Jahren in Baden. Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder.

Ich bin in einer Grossfamilie in Kinshasa aufgewachsen, mit 2 Schwestern, 3 Brüdern und einigen Tanten und Onkeln. Ich war das älteste Kind und musste immer auf meine Geschwister aufpassen. Jedes Mädchen hatte auch eine Aufgabe im Haushalt. Die Jungen mussten im Haushalt fast nichts machen. Das war ungerecht, denn 15 Personen gaben sehr viel zu tun! Manchmal haben wir uns beschwert, doch meine Mutter meinte, das sei normal. Trotzdem mochte ich meine Brüder gern. Ich sorgte dafür, dass sie saubere Kleider hatten und manchmal etwas Süsses zu essen.

Mein Vater ist als Bauarbeiter morgens früh aus dem Haus gegangen und abends todmüde von der Arbeit zurückgekommen. Meine Mutter hat Gemüse und Früchte vor dem Haus oder auf dem Markt verkauft. Meistens hat eine meiner Tanten gekocht, und wir haben alle miteinander draussen im Hof zu Abend gegessen. Das waren gute Momente. Da ging es fröhlich zu: Man erzählte, schwatzte, die Erwachsenen diskutierten über ihre Sachen. Die Stimmen, die Sterne am Himmel über uns – ich weiss noch, wie glücklich ich mich fühlte, weil ich eine so grosse Familie hatte.

Am Wochenende mussten wir oft einen Onkel besuchen, der am anderen Ende der Stadt wohnte. Für uns Kinder war das eher langweilig, denn wir verstanden nicht genau, worüber die Erwachsenen sprachen. Der Onkel hat meiner Mutter immer wieder Geld gegeben. Deshalb wollte sie, dass wir mitgehen und nett zu ihm sind. Ich hoffte, dass er mir auch einmal ein bisschen Geld gibt. Mein Traum war eine Barbie-Puppe mit vielen Kleidern. Ich war sehr nett zu ihm. Doch Geld habe ich nie bekommen, und mein Traum ist nicht in Erfüllung gegangen!

Ich bin sehr gerne zur Schule gegangen und habe gut gelernt. Die Hausaufgaben machte ich immer alleine. Darauf war ich stolz. Ich hatte nicht viel Zeit zum Spielen. Ich war ja die Älteste und musste mit anpacken. Mit 15 Jahren habe ich die Schule verlassen. Das war schade, aber meine Eltern wollten, dass ich zu Hause bin und mithelfe.

In unserem Quartier habe ich als Kind viele Plünderungen und Schiessereien erlebt. Wenn dann mein Vater und meine Mutter nicht arbeiten gingen, fehlte uns das Geld fürs Essen. Es war schlimm, mit Angst und Hunger ins Bett zu gehen!

Ich bin sehr gerne zur Schule gegangen und habe gut gelernt. Die Hausaufgaben machte ich immer alleine. Darauf war ich stolz. Ich hatte nicht viel Zeit zum Spielen. Ich war ja die Älteste und musste mit anpacken. Mit 15 Jahren habe ich die Schule verlassen. Das war schade, aber meine Eltern wollten, dass ich zu Hause bin und mithelfe.

In unserem Quartier habe ich als Kind viele Plünderungen und Schiessereien erlebt. Wenn dann mein Vater und meine Mutter nicht arbeiten gingen, fehlte uns das Geld fürs Essen. Es war schlimm, mit Angst und Hunger ins Bett zu gehen!

Mit 18 Jahren habe ich traditionell geheiratet. Ein Jahr später ist mein Mann in die Schweiz gegangen. Er hatte versprochen, mich so schnell wie möglich nachzuholen. Ich war damals schwanger. Es hat aber 3 Jahre gedauert, bis ich und meine kleine Tochter ihn wiedergesehen haben. In der Schweiz war ich oft einsam und habe geweint. Die Sprache und die Kultur waren neu für mich, mein Mann arbeitete, und meine grosse afrikanische Familie war nicht bei mir. Wir haben dann später noch 2 Söhne bekommen, langsam ging es mir besser.

Es ist mir wichtig, dass meine Kinder die schweizerische und die kongolesische Kultur kennen. Dann können sie von beiden Kulturen profitieren. Auch möchte ich meine Kinder in der Schule unterstützen, damit sie gute Noten und eine gute Zukunft haben.


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