Hausaufgaben und Lernen

Lernen. Lernformen. Hausaufgaben. Schulerfolg – Misserfolg.

Lernen
Lernen, ein alltägliches Thema im Schulalltag eines Kindes, umfasst komplexe innere Prozesse. Beim Lernen werden im Gehirn neue Strukturen aufgebaut. Hinzukommendes Wissen wird zu einem inneren Konzept geformt und im Gedächtnis gespeichert, um später wieder abgerufen zu werden. Prozesse dieser Art sind nur unter bestimmten psychischen Voraussetzungen möglich. Wichtig ist die Fähigkeit des Kindes, sich auf den Lernstoff konzentrieren zu können und sich damit zu befassen. Psychische Belastungen und Ängste bewirken ein Schwinden der Konzentrationsfähigkeit und der Offenheit für Neues. Für einen erfolgreichen Lernprozess ebenfalls nötig ist, dass das Kind selbst ein Interesse am Lernen hat. Sei es, dass es das Thema interessant findet, dass es gerne gute Schulleistungen erbringen möchte oder dass die Aufgabe eine erwünschte Herausforderung darstellt. Lediglich mit Motivation von aussen ist es hingegen schwierig, einen Lernprozess auszulösen.

Lernformen
Es gibt verschiedene Formen, wie Lernstoff aufgenommen und im Gedächtnis eingebaut wird. Beim Lernen am Modell beobachtet ein Kind einen Menschen, der ihm wichtig erscheint und kopiert dessen Verhaltensweisen. So werden beispielsweise soziale Kompetenzen aufgebaut. Das kindliche konstruktive Spiel – also etwa das Bauen mit Legosteinen – ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Lernen nach Versuch und Irrtum funktioniert. Das Kind probiert verschiedene Handgriffe aus, bis etwas davon glückt. Manchmal braucht es auch den Prozess des Problemlösens dazu. Viele Fähigkeiten werden im Kontakt mit Eltern und anderen Personen über Feedbacks (Rückmeldungen) aufgebaut und verfeinert. Andere werden über das Automatisieren von bestimmten Handlungsabfolgen erworben. So können wir uns beim Velofahren auf den Verkehr konzentrieren, weil verschiedene Fahrkompetenzen (Gleichgewicht halten, treten, steuern, bremsen) automatisch ausgeführt werden. Das Wiederholen einzelner Lerneinheiten ermöglicht, dass relativ abstrakte Inhalte wie etwa französische Vokabeln nach und nach im Gedächtnis haften bleiben. Eselsbrücken schaffen Verbindungen zu bereits Bekanntem: Beispielsweise ist der Französischlehrer Herr Arb gross wie ein Baum. Das französische Wort «l‘ arbre» (= der Baum) kann folglich mit der Gestalt und dem Name des Französischlehrers in Verbindung gebracht und bildlich gespeichert werden. Wichtiger Akt beim Lernen von komplexen Inhalten ist der Aufbau von mentalen Modellen und das Erlangen von Einsicht. Dies sind oft zähe, schwierige Prozesse, die viel Arbeit erfordern. Glücken sie, können danach beliebig viele weitere Informationen dieser Art leicht integriert werden.

Schulerfolg – Misserfolg
Ob ein Kind in der Schule erfolgreich ist oder nicht hängt von vielen Einflüssen ab. So einfach es erscheint, wenn ein Kind die Schulzeit problemlos durchläuft, so undurchsichtig wirken manchmal die Gründe für Schwierigkeiten. Misserfolg in der Schule kann sehr belastend sein und über die Jahre bauen sich bisweilen regelrechte Versagenserwartungen auf. Wenn Ursachen für schlechte Noten in der eigenen Dummheit gesehen werden, dann wird es schwierig, gute Noten zu machen. Wenn das Kind glaubt, es selbst könne nichts zu besseren Leistungen beitragen, spricht man von «gelernter Hilflosigkeit». Bei einer erheblichen Anzahl von Kindern ist der Schulbesuch mit Ängsten verbunden. Neben der Versagensangst und dem Notendruck können sich Ängste vor ungerecht empfundenen Lehrpersonen oder Mobbing unter Kindern aufbauen. Schulängste bringen körperliche und psychische Reaktionen wie Nervosität, Kopfund Bauchschmerzen, Schlafstörungen, übermässiger Bewegungsdrang, Unruhe, Müdigkeit oder Tagträume mit sich. Manchmal sind allzu hohe Bildungserwartungen der Eltern der Grund für den Schulstress des Kindes. Manchmal fühlt das Kind sich den Alltagsanforderungen insgesamt nicht gewachsen. Kritische Lebensereignisse wie die Scheidung der Eltern oder die Geburt eines Geschwisters können ebenfalls Schulstress verursachen. Auch spezielle Anforderungen beim Bewältigen schwieriger Entwicklungsaufgaben etwa in der Pubertät können Schwierigkeiten in der Schule auslösen. Bisweilen glauben Kinder, dass sie ihre Schulprobleme lösen, indem sie Schulstunden schwänzen. Werden Probleme in der Schule sichtbar, ist es für das Kind wichtig, dass Eltern und Lehrpersonen prompt und einfühlsam reagieren. Zusammen mit dem Kind soll geklärt werden, wo Überforderungen vorhanden sind und welche Unterstützung nötig ist. Hilfreich kann es sein, wenn die Beratung durch einen schulpsychologischen Dienst in Anspruch genommen wird. Es ist individuell verschieden, welche Lösungswege eingeschlagen werden sollen. Gewisse Kinder benötigen mehr Verständnis, bei anderen bringen Änderungen im Alltag eine Erleichterung. Manchmal braucht das Kind Nachhilfeunterricht, damit es zu Erfolgserlebnissen kommen kann. Wichtig ist, dass Eltern und Lehrpersonen sich koordinieren. Mit vereinten Kräften wird es möglich, dass der «Alptraum Schule» sich für das Kind in eine erfreuliche Realität wandelt.

weiterführende Literatur:
  • Fuhrer, U. (2007). Erziehungskompetenz. Was Eltern und Familien stark macht. Bern: Hans Huber.
  • Klein, L. (2007). «Was brauchst Du für dein Vorhaben?»: Von der Notwendigkeit, sich mit Kindern über ihre
  • Lernprozesse zu verständigen. TPS – Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, 2, 15 – 19.
  • Steiner, G. (1988). Lernen. Bern: Hans Huber.
  • Wustmann, C. (2008a). Stärkende Lerndialoge zwischen Erwachsenen und Kind: Warum wir das Potenzial von Dialogen stärker nutzen sollten. undKinder, 80, 89 – 96.