Schule

Das Schulsystem in der Schweiz. Was sollen Kinder in der Schule lernen? Schule aus Kindersicht. Die Rolle von Eltern und Lehrpersonen. Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Schulprobleme.

Das Schulsystem in der Schweiz
Die Schweiz weist eine ausgeprägte Bildungstradition auf – so wurden bereits im Spätmittelalter ab dem 13. Jahrhundert öffentlich zugängliche Bildungsstätten eingerichtet. Die Reformation im 15. und 16. Jahrhundert bewirkte, dass Volksbildung ein Thema wurde. Die Kirchen humanistischer Zentren wie Genf, Basel und Zürich unternahmen viele Anstrengungen, um Bildung breiter zugänglich zu machen. Dabei ging es vor allem ums Lesen und um das Erlernen von christlich-religiösen Inhalten. Mädchen oder Kinder aus unteren sozialen Schichten waren dabei lange noch benachteiligt. 1460 wurde in Basel die erste Universität der Schweiz gegründet. Das schweizweite Recht jedes Kindes auf Grundschulbildung wurde im Bundesgesetz 1874 verankert.

Heute haben in der Schweiz alle Kinder das Recht auf Zugang zu Bildungsstätten von der Grundstufe (Kindergarten) bis zur Hochschule (Universität) unabhängig von religiöser Einbindung. Um zu garantieren, dass alle Menschen tatsächlich eine Schulbildung erhalten, besteht eine 9 jährige Schulpflicht. Der Kindergarten wird zunehmend als vollwertiger Teil der öffentlichen Schule anerkannt und damit ist ein 12-jähriger Schulbesuch die Regel. Die Bildungssysteme sind von Kanton zu Kanton verschieden. Die meisten Kinder in der Schweiz (über 90 Prozent) besuchen die kostenlosen staatlichen Schulen. Diese verfügen neben einem breitgefächerten Lehrangebot auch über verschiedene Förderangebote, um die Chancengleichheit aller Kinder zu verbessern – zum Beispiel für Kinder mit Migrationshintergrund. In den meisten Kantonen findet die Förderung der Kinder hauptsächlich integrativ, d.h. innerhalb der Schule statt. Nur in Ausnahmefällen besuchen Kinder mit besonderen Bedürfnissen Spezialschulen.

Was sollen die Kinder in der Schule lernen?
«Das Bildungswesen hat zum Ziel, die geistigen und körperlichen, schöpferischen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten zu fördern, das Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitmenschen und der Mitwelt zu stärken sowie das Hineinwachsen in die Gesellschaft vorzubereiten und zu begleiten.» (Leitbild Schule des Kantons Basel-Stadt)

In jedem Kanton existieren differenzierte Lehrpläne, die die Vermittlung von Schulwissen, aufgeteilt in verschiedene Schulfächer garantieren. Daneben soll die Schule die Kinder in sozialem Verhalten fördern und sie – ausserhalb des Elternhauses – in die Werte und Gebräuche der hiesigen Gesellschaft einzuführen. Gesundheitsvorsorge oder das Erkennen von Fehlentwicklungen bei einem einzelnen Kind wird ebenso als Aufgabe der Schule angesehen wie der soziale Umgang der Kinder untereinander oder die Integration von fremdsprachigen Kindern. Explizit werden an öffentlichen Schulen die Verschiedenheit der Kinder und ihrer Familien sowie die Multikulturalität der schweizerischen Gesellschaft zum Thema gemacht. Es erweist sich dabei als Herausforderung, die verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründe, welche die Kinder von ihrem Elternhaus mitbringen, in einer gemeinsamen Schule einzubinden.

Schule aus Kindersicht
Viele Kinder gehen anfänglich gerne und interessiert zur Schule. Der Schulanfang fällt in eine Entwicklungsphase des Kindes, in dem es begierig nach Wissen ist. Es möchte andere Kinder und Erwachsene ausserhalb seiner Familie kennen lernen. Lehrpersonen werden dabei oft gerade von jüngeren Kindern als sehr wichtige Bezugspersonen wahrgenommen. Die Schulkameraden werden als Spielfreunde, Vorbilder und Vertrauenspersonen immer wichtiger. Unterschiedliche Voraussetzungen, unterschiedliche Verhaltensweisen und individuelle Probleme bieten jedoch von Anfang an auch Zündstoff in den Schulklassen. In späteren Schuljahren sinkt bei vielen Kindern – und wie neuere Studien zeigen, vermehrt bei Knaben – die Schulmotivation. Kritisch zu hinterfragen ist hier, ob die schweizerischen Staatsschulen den inneren Lernprozessen von Kindern und Jugendlichen genügend entsprechen. Sind die Lernangebote geeignet, um vielfältige und für das eigene Leben auch relevante Erfahrungen machen zu können? Kann das Kind den Lernprozess genügend mitgestalten? Kann das Lernen auf dem Fundament einer funktionierenden, tragenden und stützenden Beziehung zur Lernperson erfolgen? Wird den Bedürfnissen nach regelmässiger Bewegung und Erholung genügend Rechnung getragen?

Das Engagement der Eltern
An den Schulen ist eine Kooperation zwischen Eltern und Lehrpersonen gefordert. Es ist jedoch oft sowohl für Eltern als auch für Lehrkräfte nicht einfach, das richtige Mass an Zusammenarbeit zu finden. Aus psychologischer Sicht ist klar, dass Eltern ihre Kinder aktiv durch die Schulzeit begleiten sollen. Für die Schulmotivation der Kinder ist es wichtig, dass ihre Eltern sich für das Schulgeschehen interessieren. Dies kann im täglichen Gespräch über die Schule, in der Unterstützung bei den Hausaufgaben, im Gespräch mit der Lehrerin, im Besuch des Elternabends oder in der Übernahme von für Eltern vorgesehenen Aktivitäten (Begleitung auf einen Schulausflug, Einsitz im Elternrat etc.) erfolgen. Da die Schule für das Kind oft der erste Lebensbereich ausserhalb der Familie darstellt, ist das elterliche Engagement zu dosieren. Es sollte dem Kind nicht verwehren, selbständig in die neue Umgebung der Schule einzutauchen, neue Erfahrungen machen und Eigenverantwortung übernehmen zu können. Deshalb sollen Eltern immer wieder überdenken, wo ihr Interesse am Schulgeschehen das Kind unterstützt und wo es das Kind in seiner eigenen Entwicklung unnötig einschränkt.

Schulprobleme
Hat ein Kind Probleme in der Schule, sollen die Eltern rasch das Gespräch mit den Lehrpersonen suchen. Dies unabhängig davon, ob es sich um Lernschwierigkeiten des Kindes, um soziale Probleme mit anderen Kindern oder um Konflikte mit einer Lehrperson handelt. Oft können in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Kind Lösungen erarbeitet werden. Können Eltern, Lehrpersonen und Schüler sich überhaupt nicht einigen, kann die Schulbehörde (Schulleitung, Rektorat, kantonale Behörde) einbezogen werden. An grösseren Schulen gibt es eine Schulpsychologin oder einen Schulsozialarbeiter, deren Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Verschiedene externe Fachdienste wie etwa der schulpsychologische Dienst oder der logopädische Dienst bieten weitere Unterstützungsangebote.

weiterführende Literatur:
  • Laewen H.-J. (2008). Bildung, Lernen, Erziehung – Begriffe klären und Praxis reformieren. Zürich: undKinder, 81, 73 – 79
  • Largo, R. (2009). Schülerjahre. München: Piper
  • Leitbilder und Bildungspläne der Schulen in den verschiedenen Kantonen