Spiel

Warum spielen Kinder? Spielformen: Säuglinge, Kleinkinder, Kindergartenkinder, Schulkinder, Jugendliche. Spielsachen. Spielkameraden. Spiel und Bewegung.

Warum spielen Kinder?
Von Geburt an sind Kinder begierig, die Welt um sich herum zu entdecken, zu erfahren und zu verstehen. Dies machen sie im Spiel. Spielen ist Ausdruck von Neugier, Bewegungsdrang, Kreativität, Lernlust und Wissensdurst eines Kindes. Bei Erwachsenen würde das gleiche Verhalten Erforschen, Gestalten, Ausprobieren oder Üben heissen. Das Wesen des kindlichen Spiels ist zweckfrei, lustvoll, selbstbestimmt und entspringt einem inneren Drang des Kindes. Deshalb muss Spielen freiwillig erfolgen können und ohne Angst vor Misserfolg. Die Umgebung des Kindes soll so gestaltet sein, dass verschiedenste Spielerfahrungen möglich sind. Die Erwachsenen unterstützen das kindliche Spiel, indem sie Gelegenheiten für neue Herausforderungen bieten und das Kind vielfältige Erfahrungen machen lassen – drinnen wie draussen.

Spielformen
Wie und was Kinder spielen ist unterschiedlich und variiert je nach Lebensalter und Entwicklungsstand. Da es beim Spielen wesentlich ums Entdecken, Verstehen und ums Sammeln von Erfahrungen geht, richten sich die Spielformen nach den Entwicklungsaufgaben und Entwicklungsschritten eines Kindes. Dabei wechselt das Kind zwischen dem Wiederholen von gleichen Spielsequenzen und dem Ausprobieren von Neuem ab. Spielwiederholungen sind wichtig, sie geben dem Kind feste Orientierungspunkte. Erst wenn es sich in einem Bereich genügend sicher fühlt, experimentiert es mit Neuem, variiert das Spiel und verschafft sich so neue Erfahrungen.

Säuglinge
Säuglinge spielen, indem sie Gegenstände ergreifen und diese im Mund untersuchen (Explorationsspiel). Sie spielen mit ihren Händen und Füssen, bewegen diese und erlangen so wichtige Erkenntnisse über die Bewegung des eigenen Körpers. Sie ahmen die Sprache der Erwachsenen spielerisch nach und üben damit Laute und Silben.

Kleinkinder
Kleinkinder sind interessiert an der Funktionsweise von Gegenständen. Sie schlagen mit einem Kochlöffel auf eine Pfanne ein, werfen Gegenstände auf den Boden und drücken Knöpfe. Die Konstruktion und Dekonstruktion von Dingen (Türme bauen und einreissen) finden sie auch äusserst spannend. Spielend üben sie Bewegungen, klettern auf das Sofa und erklimmen kleine Mauern. Das Zusammenspiel von Bewegung, Rhythmus und Sprache fasziniert sie. Mit etwa 3 bis 4 Jahren beginnen sie, Gegenstände symbolisch zu benutzen, die Schachtel wird zum Schiff, der Stein zum Fisch. Mit der Fähigkeit zum Symbolisieren ist ein wichtiger Grundstein zum Zeichnen gelegt.

Kindergartenkinder
Kommen Kinder ins Kindergartenalter, werden ihre Bewegungsspiele sicherer und grossräumiger. Sie klettern auf Bäume und springen über Seile. Daneben begeistern sie sich für das Spiel mit Farben und Materialien (Basteln). Immer mehr interessieren sie sich nun auch für das Spiel mit anderen Kindern im ähnlichen Alter. Gemeinsam entstehen Rollenspiele (Piraten, «Mütterlis und Väterlis»). Mit diesen erarbeiten sich Kinder wichtige Facetten für ihre eigene Identität und ihre gesellschaftliche Rolle. Im Rollenspiel üben sie auch soziales Verhalten.

Schulkinder
Schulkinder lieben Spiele, mit denen sie Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten üben können und sich gleichzeitig auch über Regeln verständigen müssen (Gesellschaftsspiele). Oft werden sie darin so kunstfertig, dass mancher Erwachsene nun nicht mehr mitkommt. Auch Strategiespiele wie Schach oder moderne Computerspiele werden nun ins Spielrepertoire aufgenommen. Daneben wird im Schulalter Bewegungsspiel zu Sport und erhält einen Wettbewerbscharakter. Zusammen Fussball zu spielen, sich in akrobatischen Leistungen zu üben oder im Laufen zu messen wird wichtig. Kindliche Spiele wie das konstruktive Spiel oder das Rollenspiel bleiben weiterhin aktuell. Oft wird nun auch in grösseren Kindergruppen gespielt.

Jugendliche
Kommen Kinder ins Pubertätsalter, gleicht ihr Spielverhalten immer mehr demjenigen der Erwachsenen. Spielen geschieht nun vorwiegend fokussiert auf bestimmte Tätigkeiten ( Computerspiel, Sport, Kartenspiel). Oft gestatten sich Teenager das kindliche Spiel – das offen, ungerichtet und neugierig ist – nur noch zusammen mit kleineren Kindern, können sich dann aber sehr darin vertiefen. Ihre sichtbare Freude dabei legt offen, dass im Übergang vom verspielten Kind zum Erwachsenen doch auch einiges an Lebensfreude zurückgelassen werden muss.

Spielsachen
Heutzutage wird eine Unmenge an Spielsachen produziert. Es gibt Gesellschaftsspiele (z.B. Monopoly), konstruktive Spiele (z.B. Lego), Spielfiguren (z.B. Puppen), Spielmaterial (z.B. Knete), elektronische Spiele (z.B. Gameboy), Kinderfahrzeuge (z.B. Dreirad), Outdoor-Spielsachen (z.B. Bälle) uns so weiter. Spielsachen sind bei Kindern sehr begehrt. In ihrer Funktion sollen sie das Spiel unterstützen und die kindliche Entwicklung mit Welt- und Selbsterfahrungsmöglichkeiten bereichern. Der alleinige Besitz von Spielsachen macht allerdings kein Kind zufrieden und ein Kinderzimmer, gefüllt mit Spielsachen, hindert nicht selten das Entstehen eines befriedigenden Spiels. Grund dafür ist, dass ein Spielzeug nur dann das Spiel unterstützt und bereichert, wenn es einen inneren Sinn für das Kind erhält. Dieser Sinn kommt nicht von alleine sondern muss erarbeitet bzw. erspielt werden. Die Puppe muss in der Vorstellungswelt des Kindes tatsächlich einen Platz erhalten und zu einer Art Persönlichkeit werden, damit das Spielen mit ihr attraktiv wird. In einer überschaubaren Menge haben Spielsachen natürlich eine grössere Chance, auch tatsächlich «besetzt» und emotional verankert zu werden. Manchmal benötigen Kinder auch die Hilfe von Erwachsenen oder älteren Geschwistern, damit ein Spielzeug für sie interessant wird. Erst wenn sie sehen, wie lustig ein «Fang die Maus»-Spiel sein kann oder welch spannende Sachen man mit Lego bauen kann, interessieren sie sich selbst auch dafür. Kinder reagieren empfindlich darauf, wenn sie das Gefühl bekommen, die Spielsachen hätten die Funktion, sie zu beschäftigen und damit von den Erwachsenen fern zu halten – sie möchten in Beziehung bleiben. Für lustlose Kinder in überfüllten Spielzimmern gilt: Zimmer (zusammen) aufräumen, Spielsachen wegpacken und mit den verbleibenden Sachen bewusst ein Spiel (zusammen) initiieren. Eltern sind herzlich eingeladen, dabei selbst auch wieder ihre Spielfreude zu entdecken!

Spielkameraden
Je älter Kinder werden, desto wichtiger sind für sie Spielkameraden – Freunde. Gucken zweijährige Kinder anderen Kindern zuweilen lediglich interessiert beim Spiel zu, so suchen sich vierjährige Kinder schon ganz bewusst eigene Spielfreunde. Sie benötigen sie unter anderem fürs Rollenspiel, für Vergleiche und Nachahmungen. Sobald zwei oder mehr Kinder zusammen spielen, steigt der Pegel der Fröhlichkeit und der Aktivität. Zusammen können Kinder im Vorschul- und Schulalter von morgens bis abends spielen. Spielkameraden finden sich unter Geschwistern, in der Hausgemeinschaft, auf dem Spielplatz, im Dorf. Dabei passen nicht alle Kinder gleich gut zusammen. Schon früh (im Kleinkindalter) bilden sich Sympathien und Antipathien heraus, wenn auch Kinder im Allgemeinen anderen gegenüber eine grössere Offenheit zeigen als Erwachsene. Unterschiedliche Entwicklungsstadien, verschiedene Bedürfnisse, unpassende Rolleneinnahmen (z.B. beide Kinder wollen das Spiel bestimmen) können je nach dem ein gelingendes Spiel verhindern. Spätestens im Schulalter werden aus Spielkameraden Freunde, mit denen nicht nur gespielt, sondern auch Geheimnisse geteilt und Persönliches besprochen wird. Die Schule bietet nun eine grosse Auswahl an möglichen Spielkameraden und die Pausen zwischen den Schulstunden sowie der Schulweg werden zunehmend wichtiger für die Kontakte untereinander. In der Pubertät schliesslich werden aus Freunden eigentliche Bezugspersonen, welche die Eltern in dieser Rolle ablösen.

Spiel und Bewegung
Leben und wachsen bedeutet sich bewegen. Kinder haben – im Gegensatz zu vielen Erwachsenen – noch einen ausgeprägten Bewegungsdrang, was für Eltern nicht nur angenehm ist. In unserem eher städtisch geprägten Leben mit den relativ engen Aussenräumen und viel Verkehr hat Bewegung oft keinen Platz. Das Spielzimmer und der kleinflächige Raum vor dem Haus befriedigt das spielerische Bewegungsbedürfnis der Kinder nur ungenügend. Übermässiges Computerspiel und Fernsehen lähmt Kinder in ihrem Bewegungsdrang. Die Folge sind unruhige, unzufriedene oder lethargische Kinder. Bestenfalls turnen sie auf dem Sofa herum und rutschen Treppen hinunter. Schlimmstenfalls entwickeln sie unkonzentriertes Verhalten mit Problemen in der Schule, sind missgestimmt, können nur schlecht schlafen oder werden fettleibig. Medizinische Behandlung wird nötig. Kinder müssen sich in der Bewegung spüren können, um ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Für das Wachstum, für die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik wie auch für die gesamte Entwicklung des Kindes ist das tägliche Spiel im Freien mit viel Bewegung, Licht und frischer Luft wichtig. Es ist gut, wenn Kinder darin unterstützt werden. Dabei benötigen sie auch das Vertrauen und die Gelassenheit aller Erwachsenen. Manchmal nehmen Kleider oder Gegenstände Schaden. Auch kleinere Unfälle passieren, wenn man sich bewegt. Dies alles ist nicht so schlimm. Durch kleine Schäden lassen sich grössere Schäden beim Kind vermeiden.

weiterführende Literatur:
  • Elternbriefe. Zürich: Pro Juventute.
  • Papousek & Gontard (Hrsg. 2003). Spiel und Kreativität in der frühen Kindheit.
  • Pausewang (1997). Dem Spielen Raum geben. Berlin: Cornelsen Verlag.
  • Zeitschrift «undKinder» Nr. 84. Kinder brauchen Platz. Zürich: MMI, 2009.
  • www.kinder-4.ch Lerngelegenheiten für Kinder bis 4, 40 Filme in 13 Sprachen mit unterschiedlichen Lerngelegenheiten, Bildungsdirektion des Kantons Zürich, 2013